Allgemeines zu Aufstellungen

am Beipiel eines familienbezogenen Anliegens.

 

In den meisten Psychotherapien befassen wir uns vorrangig mit dem Erleben, der Erfahrung und der Wahrnehmungsweise des oder der Einzelnen. Wir arbeiten mit Fokus aufs Individuum. 

 

Aus systemischer Sicht schauen wir auf jeden Menschen immer auch als Teil von größeren Zusammenhängen, seinen so genannten „Systemen.“ Das kann die Herkunftsfamilie sein, die Paarbeziehung, der Arbeitsplatz, der Verein, das Unternehmen u.a..

 

Solche „Systeme“ streben nach Gleichgewicht und Ausgleich. Es kann also z.B. um des Erhalts des Systems willen leicht geschehen, dass eine/r von anderen etwas übernimmt, was mit ihm/ihr individuell wenig zu tun hat – außer der Sehnsucht, zu einem funktionierenden System zu gehören.

 

Als  Beispiel mag eine Situation dienen, in der zwei Geschwister unter sehr ähnlichen Bedingungen aufgewachsen sind. Dennoch ist der Ältere sportlich, selbständig und leistungsorientiert, während der Jüngere eher zart, musisch und kreativ ist. Hier war – abgesehen von anderen Einflüssen wie Geschwisterfolge u.ä. – der Sektor sportlich/Leistung/ selbständig in der Familie bereits besetzt als das jüngere Geschwister auf die Welt kam. Also begab es sich instinktiv auf die andere Seite des Spektrums, um in der Familie eine Rolle zu spielen und gesehen zu werden.

 

Übernahmen können auch über Generationen hinweg stattfinden.

 

So könnte sich, wie in unserem Beispiel, herausstellen, dass die Mutter der beiden Jungen eine Schwester hatte, die als Kind sehr phantasievoll und kreativ war und als Nesthäkchen die Zuwendung aller erhielt. Sie starb mit 9 Jahren an Leukämie. Der jüngere ihrer eigenen beiden Kinder „übernimmt“ also nicht nur den musischen Part in seiner Familie, sondern er „ersetzt“ durch seine Art für die Mutter auch noch deren eigene kleine Schwester. Und ihr (älterer) Sohn fragt sich immer, wieso der jüngere Bruder so viel mehr Aufmerksamkeit von der Mutter zu bekommen scheint als er, obwohl er sich so bemüht, den Eltern alles Recht zu machen.

 

Wenn nun in einer Aufstellung derartige Dynamiken zutage treten und anerkannt werden, wenn  Verstrickungen im größeren Zusammenhang  gesehen und verstanden werden, dann öffnen sich der Blick und die Wege dafür, die eigene Wirklichkeit auf eine Lösung hin anzugehen.