Somatic Experiencing (SE-Traumatherapie) 
Somatic Experiencing als Möglichkeit, Traumafolgen sogar lange nach dem Ereignis zu lindern bzw. aufzulösen.
Wenn durch ein Ereignis die Schutzbarriere des Einzelnen gegen einen Reiz verletzt wird, erlebt diese Person überwältigende Gefühle von Hilflosigkeit (Freud), Kontrollverlust (Flannery) und drohender Vernichtung (Herman). Ein Trauma entsteht im Nervensystem und wird daran deutlich, dass das Nervensystem Beweglichkeit/Flexibilität einbüßt und leicht überfordert wird.
Typisch für die Reaktionsweisen eines überaktivierten (= unbeweglichen) Nervensystems ist es, dass der oder die Betroffene schnell den „Ich kann nicht“ Bereich erreicht, in dem zielführendes Handeln nicht möglich ist und bei hoher Erregung durch Panik, Wutattacken, Hypervigilanz, Manie und Schmerzen ersetzt oder aber durch Depression, ein Gefühl von Unverbundenheit, Abgestorbenheit oder Erschöpfung ausgedrückt wird.
Zur Auflösung des Traumas werden im Somatic Experiencing die körperlichen Reaktionen genutzt, die sich bei Wohlbefinden einstellen und diejenigen berücksichtigt, die bei einem bedrohlichen Ereignis ablaufen, denn nach Peter Levine
- entsteht das Trauma nicht durch das Ereignis selbst, sondern
- ein Trauma steckt im Nervensystem und
- entsteht, wenn etwas zu schnell, zu viel, zu heftig geschehen ist und die biologische Selbstregulation nach dem Erlebnis nicht angemessen wieder in Gang kommen konnte.
In der SE-Arbeit tauchen immer wieder die folgenden Elemente auf:
1. CONTAINMENT Darunter verstehen wir Ihre positive, konzentrierte ungestörte Präsenz im therapeutischen Zusammenhang, Ihr Wohl- und Geschütztfühlen. Es ist also wichtig, ein wie immer geartetes Unbehagen deutlich zu machen, damit es möglichst aufgelöst werden kann.
2. RESILIENZ Ist die personenspezifische Fähigkeit, Stress zu verarbeiten und sich davon zu erholen. Sie ist definiert durch
- Gene (das, was Ihre Familien Ihnen per Zeugung mitgegeben haben)
- Konditionierung (durch Erziehung, soziale Umstände etc.)
- Biografie (z.B. Wie oft hat jemand das Gefühl der Hilflosigkeit erlebt)
- Kulturelle Regeln (z.B. cool bleiben als positive Eigenschaft)
- Regeln des spezifischen Systems (Familie, Branche, Ethnie, etc.)
- Körperliche Verfassung
Merkmale einer verminderten Resilienz sind z.B. Kontrollbedürfnis, zunehmend kleinere Lebenskreise, Ängste
3. RESSOURCIERUNG Es handelt sich hier darum, Sie mit all dem in Kontakt zu bringen, was Ihnen hilfreich, nützlich, wohltuend und unterstützend vorkommt. Das können innere und äußere Ressourcen sein, langfristige und kurzfristige, imaginierte oder gewünschte oder reale, sie können direkt mit dem Thema zusammenhängen oder ihm auch ganz fern liegen.
3. FELT SENSE Dies ist ein bei Eugene T. Gendlin erstmals genutztes Konzept und eine Erfahrung, die besagen, dass Ihre Vorstellungen, Bedeutungsgebungen, Gedanken und Erfahrungen jeweils eine Entsprechung in Ihrem Körper haben und gespürt werden können. Wir werden daran arbeiten, Ihre Aufmerksamkeit dafür zu stärken.
4. PENDELN Einem natürlichen Hin- und Her des gesunden Nervensystems entsprechend ist hiermit das von der Therapeutin unterstützte Wechseln der Aufmerksamkeit (und des Felt Sense) zwischen der problematischen und der ressourcierten Erfahrung gemeint: Ihr Nervensystem nimmt sich aus der Ressourcierung die Stärke, die es braucht, um auch Belastendes in kleinen Dosen (= titriert) zu ertragen und zu integrieren. Es wird letztlich durch solche Erfahrungen gestärkt.
5. ENTLADUNG Entsprechend der bei Tieren normalen Abfuhr von Energie, die bedingt durch Stress im Körper aufgebaut wurde, reagiert der Körper als Medium, um diese Energien wieder abzuleiten.
Das kann sich sehr ungewohnt anfühlen, weil Energieentladung sich unwillkürlich ereignet. Lassen Sie Ihrem Körper in solchen Fällen die Freiheit, das zu tun, wozu er den Impuls hat, also sich zu bewegen (z.B. zu zittern, laufen zu wollen, etc.).
6. REORGANISATION Wenn Ihr Körper den Stress losgeworden ist, den er in der traumatisierenden Situation aufgebaut hat, muss Ihr Nervensystem sich mit dieser Erfahrung wieder neu organisieren, d.h. die im Trauma abgespaltenen oder unterdrückten Teile Ihrer Ganzheit wieder als Systemelemente wahrnehmen und sie nutzen. Dieser Prozess braucht Zeit.
7. INTEGRATION Wichtig für eine Auflösung des Traumas ist der Vorgang der Integration der traumatisierenden und dann ent-stressten Erfahrung in Ihre Gesamterfahrung und Ihr Selbstverständnis. Integration findet teils unbewusst statt. Sie wird aber auch ganz bewusst im therapeutischen Prozess vorbereitet. So fügt sich das Neue mit dem Bestehenden zu einer neuen Struktur zusammen.
Hier begleitet die Therapeutin Sie auch dabei, die neuen Erfahrungen in Ihrem Alltag zur Wirkung zu bringen, sie in Ihrem Bewusstsein und Selbstbewusstsein zu verankern und Sie darauf vorzubereiten, dass auch Ihre Umwelt mit veränderten Reaktionen auf Sie zugehen wird.
Hinweise für den Klienten und die Klientin, die mit Somatic Experiencing arbeiten möchten:
Beginn Wir versuchen pünktlich zu beginnen und abzuschließen. Sollten Sie zu einer SE-Sitzung wesentlich zu spät kommen müssen, haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir diese dann auf den nächsten Termin verschieben.
Pausen Wir werden Pausen machen, wie Sie sie brauchen. Lassen Sie mich wissen, wenn Sie Erholung benötigen
Ressourcen Unter Ressourcen verstehen wir Vorstellungen, Wahrnehmungen, Gedanken, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen, Erfahrungen und Beziehungen, die Ihnen stärkend, wohltuend, unterstützend und hilfreich erscheinen – sei es in Ihrer privaten und beruflichen Wirklichkeit, sei es in Ihrer Phantasie oder im therapeutischen Setting selbst. Solche Ressourcen für Sie zu finden ist ein immer wieder wichtiger Teil des Somatic Experiencing.
Rückmeldungen Eine SE Therapeutin versucht, Ihre Reaktionen so genau wie möglich abzufragen und selbst wahrzunehmen. Sie können den Prozess befördern, indem Sie aufrichtig und exakt Auskunft geben darüber, wie Sie sich zu jeder gegebenen Zeit im Prozess fühlen. Angenehme wie unangenehme Empfindungen, Gedanken und Gefühle sind gleichermaßen wichtig.
Im Anschluss an SE Nach einer SE-Sitzung ist es wichtig, sich vor allem Zeit zu nehmen, das Erfahrene sich setzen zu lassen. Planen Sie deshalb entspannende, beruhigende und aufbauende Aktivitäten für die Abende nach den SE Sitzungen.
Fragen Wann immer bei Ihnen zwischen den Terminen Fragen zur SE Arbeit oder neue Einsichten oder gar unangenehme Gefühle oder Empfindungen auftauchen, notieren Sie sich die sowie den Kontext, in dem sie auftraten. Gehen Sie nicht einfach darüber hinweg, sondern bringen Sie Ihre Erfahrungen mit SE in Ihrer nächsten Sitzung ein.
Dauer Eine SE Sitzung dauert im Regelfall mindestens 60, maximal 90 Minuten. Wieviele Sitzungen der oder die Einzelne benötigt, kann man erst im Einzelfall feststellen. 
|